Dienstag, 11. März 2014

Höllen-Lärm - Die komplette, schonungslose, einzigartige Geschichte des Heavy Metal


Höllen-Lärm – Die komplette, schonungslose, einzigartige Geschichte des Heavy Metal

Ian Christe, Hannibal-Verlag, 3.Ausgabe 2013

Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösch
 

Ian Christe hat sich an die Aufgabe herangewagt, die Geschichte über Entstehung und Verlauf des Heavy Metals von den frühen Siebzigern bis zur Gegenwart zu dokumentieren.
Wobei die Gegenwart beim Jahr 2002 endet, da dieses Werk bereits 2003 entstanden ist.
Es wäre natürlich schöner gewesen, wenn zu der Ausgabe von 2013 auch eine Weiterführung der Geschehnisse rund um den Metal erfolgt wäre, aber andererseits hat sich in den letzten 10 Jahren nicht viel getan, was die Musikrichtung bahnbrechend verändert hätte. Daher ist die fehlende Aktualität kein Grund, das Buch nicht zu lesen.
Der in New York lebende Autor schrieb bereits hunderte von Artikeln über Heavy Metal für verschiedenste Magazine und führte mehr als hundert Interviews mit Musikern aus Bands, die die Szene mit geprägt haben (Quelle: hannibal-verlag.de). Durch die dadurch entstandenen Einblicke und Kenntnisse konnte mit „Höllen-Lärm“ eine umfassende Zusammenfassung der verschiedenen Entwicklungen entstehen.
Gleich zu Beginn des Buches sind die, für Christe, wichtigsten Meilensteine der Headbanger-Zeitgeschichte anhand eines Verlaufdiagramms über zwei Doppelseiten zusammengefasst. Als Startpunkt wird der 13. Februar 1970 gewählt, das Datum der Veröffentlichung des ersten Black-Sabbath-Albums. Wie auch für viele andere Experten gelten auch für Ian Christe die britische Band Black Sabbath als die Erfinder des Heavy Metals. Über Judas Priest, Motörhead, Venom und Iron Maiden landet man Mitte der Achziger bei Metallica, die mit ihrem schwarzen Album auch einen Meilenstein der neunziger Jahre beisteuern können. Neben dem Grunge der Neunziger wird es für Metal schwieriger zu bestehen, bis es im neuen Jahrtausend wieder zu einer Belebung kommt.

Doch zurück zu Black Sabbath. Die Band in der Anfangsformation mit Sänger Ozzy Osbourne, Gitarrist Tony Iommi, Bassist Geezer Butler und Schlagzeuger Bill Ward, die mit ihrem auf tiefere Tonarten basierenden, kraftvollen Riffs einen neuen Stil kreierten, gelten als die Gründer des Heavy Metals. Mit der Veröffentlichung der ersten Platte mit dem Titel „Black Sabbath“ begannen sie Ihren Siegeszug und spätestens mit dem zweiten Album „Paranoid“ gelang ihnen der Durchbruch. Andere Bands dieser Zeit wie Led Zeppelin oder Deep Purple waren noch stärker vom Blues beeinflusst und sind eher dem Bereich des Hardrocks zuzuordnen.
Als nächste stilprägende Band werden Judas Priest beleuchtet, die nicht nur den Sound des Metals mit zwei Leadgitarren statt einer und der prägnanten Stimme von Rob Halford weiterentwickelten, sondern auch das passende Erscheinungsbild mit Lederklamotten und einem Motorrad auf der Bühne prägten.
Nach der Punkbewegung entstand dann Ende der Siebziger / Anfang der Achtziger die sogenannte „New Wave of British Heavy Metal (NWOBHM)“, aus der große Bands wie Iron Maiden, Saxon und Def Leppard hervorgingen. Parallel dazu entstand in Amerika, vor allem in Los Angeles, eine neue Metal-Bewegung, die heute auch als „Hair-Metal“ bezeichnet wird. Dazu gehörten zum Beispiel Mötley Crüe, Ratt, W.A.S.P., Quiet Riot oder Y&T.
Als Gegenstück zu diesem eher seichteren Metal-Sounds trat dann mit Metallica eine Band in Erscheinung, die völlig neue Impulse brachte, und einen weitern Meilenstein des Metals begründete, der zunächst als Power Metal und später als Thrash Metal bezeichnet wurde. Durch ihr Mitwirken auf dem Sampler „Metal Massacre“, gelangen sie zu erster Bekanntheit und veröffentlichten 1983 mit „Kill ’Em All“ ihr erstes Album.
Neben Metallica spielten sich noch einige andere Bands des Power Metals in die Öffentlichkeit, darunter Anthrax, Exciter, Meryful Fate, Raven oder auch die deutschen Accept. Dabei wurden Geschwindigkeit und Härte der Musik immer weiter erhöht.
Die Band Slayer bewegte sich dabei in die von Venom begründete Richtung Black Metal, die durch aggressive Optik und Texte, die sich mit okkulten Themen und Satanismus beschäftigen, gekennzeichnet ist. Daraus entwickelte sich wiederum die neue Richtung des noch brutaleren „Death Metals“. Inwieweit Teufelsanbetung und Kirchenhass in den Texten ernst gemeint sind, bleibt dabei offen.
Metallica blieben bei ihrem Sound, dem Thrash-Metal, der mittlerweile auch von vielen anderen Bands, wie Testament oder Megadeth mit dem Ex-Metallica-Mitglied Dave Mustaine, sehr erfolgreich gespielt wird.
Außerhalb dieser eher härteren Richtungen des Heavy Metals etablierte sich, auch unterstützt durch MTV, der Glam-Metal. Bands wie Cinderella, Faster Pussycat oder Poison prägten diesen Stil, der nun auch Mötley Crüe und Ratt zugeschrieben wird.
Frischen Wind in diese Hochglanz-Metal-Szene mit ihrer eher soften Musik und den oberflächlichen Texten brachten dann letztendlich Guns N’ Roses, deren Musik wieder rauer war und die weitaus weniger Wert auf ihr Äußeres legten.
Ende der achziger Jahre kam es zu verschiedenen Crossover-Stilen, wie Metalcore, Grindcore oder Funk Metal, bei dem auch die Thrasher von Anthrax mit „I’m the Man“ ihren Beitrag leisteten, wo sie Metal mit Rap mixten.
Die 90er Jahre werden in dem Buch als „Der große Wandel“ betitelt. Damit ist zum einen die Salonfähigkeit des Metals, die mit dem schwarzen Album von Metallica erreicht wurde, gemeint, als auch der musikalische Wandel, der mit Nirvanas „Nevermind“ eingeläutet wurde. Im Zeitalter des Grunge war traditioneller Heavy Metal nicht mehr gefragt. Es entstanden „Alternative Metal“ - Alben, etwa von Faith No More, Soundgarden oder Helmet. Aber auch Death Metal war im Aufwind. Bands wie Death, Morbid Angel, Napalm Death oder Sepultura wurden in dieser Zeit sehr erfolgreich.
Anfang des 21. Jahrhunderts kam mit dem „Nu Metal“ wieder Bewegung in die Szene. Die Nu Metal - Bands, zu denen beispielsweise Biohazard, Korn oder Soulfly gezählt werden, verbanden einen modernen Sound mit der Härte des traditionellen Metals. Nun wurde das Interesse wieder geweckt und auch wieder einige Helden der alten Generation populär. Dio, Rob Halford, Testament oder eben auch Black Sabbath starteten wieder durch und landeten erfolgreiche Comebacks. Ein Revival des Heavy Metals wird eingeleutet.
Damit endet die „komplette, schonungslose, einzigartige Geschichte des Heavy Metals“. Ian Christes Vorhersage eines Metal-Revivals kann mittlerweile als eingetroffen bestätigt werden. Die heute anhaltende Popularität von Bands wie Black Sabbath oder AC/DC und der Erfolg neuerer Bands wie beispielsweise Volbeat geben dem Autor recht.

Das sehr gut übersetzte, gut 400seitige Buch gibt einen guten Überblick über die Entstehung und die verschiedenen Ausprägungen des mit „Heavy Metal“ bezeichneten Musikstils. Ian Christe geht auf die vielen Facetten ein, die sich in den gut 30 Jahren seit der Entstehung ausgebildet haben. Sowohl als Fan als auch als Außenstehender bekommt man einen guten Ein- und Überblick. Die Auflistung der 25 besten Heavy-Metal-Alben aller Zeiten am Ende des Buches hätte sich der Autor allerdings sparen können, da eine solche wohl für jeden Fan völlig anders ausfällt.